die beiden Reisenden in Aktion

17. – 19. Mai 2015

D

ie istrische Nord-Ostküste ist steil und wenig badefreundlich, daher konzentrieren sich die Touristen auf wenige Punkte. Gut für uns, denn die küstennahen Hügel- und Gebirgszüge werden gerne links liegen gelassen! Die erste Tour unternehmen wir wieder mit Rad, für den besseren Überblick; alles startet gut markiert im Zentrum von Labin, wo gerade der Kirchgang zu Ende ist und reges Treiben in den Cafes um den Hauptplatz herrscht. Aus unerklärlichen Gründen verlieren wir jedoch später die Radstrecke auf den Goli, den höchsten Punkt der Halbinsel – überhitzt und mit verkratzten Beinen, schaffen wir es nach einer langen Rumpel- und Schiebestrecke auf einer Wanderroute trotzdem! Bis zur Südspitze, dem Crna Punta, geht es im Flug auf dem wiedergefundenen Weg bergab, ausser Salbei wächst fast nichts mehr auf der staubtrockenen Erde – kein Wunder, dass nur einzelne Häuser in dieser kargen Ecke stehen. In dieser (wunderschönen!) Einöde entdecken wir am Ufer ein monströses Zementwerk, das sich rücksichtslos über die Küste ausbreitet und Stein abbaut – am schönsten Punkt der Landzunge, weit und breit nichts ausser Meeressicht pur in die Kvarner Bucht. Nach diesem Stilbruch könnte es ja geruhsam zurückgehen, verdient hätten wir es uns – aber nein, in der prallen Mittagshitze geht es beständig bergauf, dann gibt Rainers Schaltseil auch noch den Geist auf … somit steht fest, dass die nächsten Tage wieder Wandertage werden, denn der Mechaniker vor Ort ist ausser Dienst; vom Goli aus sahen wir schon den Sisol (835 m.ü.M.) und den Vojak (1401 m.ü.M.), beide nördlich von Labin, im Ucka-Gebirge, schnell sind die beiden Gipfel als unsere nächsten Ziele bestimmt.

Am Weg nach Plomin, dem Ausgangspunkt für den Sisol, sticht noch einmal eine Bausünde ersten Ranges mitten im Niemandsland ins Auge: ein Kohlekraftwerk am Ende einer fjordähnlichen Bucht sorgt für die lokale Stromgewinnung – die Bewohner von Plomin haben nur diesen einen Ausblick auf den schmauchenden Schlot, von der Luftverschmutzung ganz zu schweigen. Plomin liegt sehr verschlafen am Fusse der Steilküste, die wenigen Alten des Dorfes sitzen aber fidel unter der einzigen Schattenquelle des Örtchens, einer Linde.Weder die Mittagshitze noch der Anblick des KKW scheint ihren Redefluss zu dämmen, sehr erfreulich! Unser Pfad ist weniger erbaulich, denn erstens ist er extrem steil, und zweitens verlieren wir auch wieder den Weg, die Markierungen lösen sich einfach in Luft auf, die Karte und der Führer geben auch wenig her … Rainers Instinkt bringt uns auf die rechte Spur, bald sind wir oben an der Kante, jetzt gibt es kein Wegeraten mehr. Auch am Weg zum Vojak merken wir den Unterschied zu Slowenien: Wegebeschilderung hat sichtlich keine Priorität in Kroatien, auch begegnen wir den ganzen Tag keinen anderen Wanderlustigen.

In Moscenice, einem Adlerhorst hoch über den Klippen, starten wir voller Schwung tags darauf auf den Vojak. Schon nach wenigen Kurven beginnt die Raterei: geradeaus oder weiter? Der Wanderführer ist schwammig geschrieben, neue Forststrassen sind noch nicht in der Karte vermerkt … die Hitze nimmt von Stunde zu Stunde zu, Silja will schon umdrehen und einen Badetag zur Stimmunsgsverbesserung einlegen. Nach der Mittagsrast scheinen wir doch auf der rechten Route zu sein, denn oh Wunder, plötzlich sind wir in Mala Ucka. Das Dörflein war gute 50 Jahre verwaist, nun wird es wieder reaktiviert – es liegt auch formidabel am Fuss des Vojak, mit einer Fernsicht bis an die Westküste Istriens. Nun ist Rainer aber vom Ehrgeiz gepackt: die letzten 300 Höhenmeter schaffen wir auch noch! Leider ist die Sicht diesig, aber trotzdem erkennen wir viele Gegenden der letzten Tage wieder – stolz auf unser Durchhaltevermögen treten wir den Gang ins Tal an, 1300 Höhenmeter müssen wir wieder absteigen. Dank einer Alternativroute über Trebisca, einem ganz aus Stein gebauten kleinen Weiler, ist es nun doch noch eine tolle Rundtour geworden. Rainer kann mit Recht sagen: „Silja, never give up too early!“ Zum Baden (bzw Eintunken) kommen wir sogar auch noch, am Strand von Moscenicka Draga – was für ein gelungener Tag nach dem mühsamen Start!

  • MTB-Radtour von Rabac über den Bergrücken Goli nach Skitaca, weiter bis zur Landzunge Crna Punta; heim via Stanisovi
  • Wanderung von Plomin auf den Sisol
  • Wanderung von Moscenice über Mala Ucka auf den Vojak (höchster Punkt Istriens, 1400 m.ü.M.), retour via Trebisca
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