die beiden Reisenden in Aktion

14. – 16. Mai 2015

D

ie Ruhe und Menschenleere des Karstes wirken noch nach, wir haben fast ein wenig Mühe, uns im Trubel wieder einzufinden. Fluchtartig legen wir am Morgen einen Frühstart hin, bevor in Osp alle Kletterer erwachen und Bad und Wiese in Beschlag nehmen. Kurzzeitig ist noch keine Stille angesagt, denn wir radeln auf dem stillgelegten Eisenbahn-Viadukt von San Antonio/Bosco nach Triest downtown.  Auf der Radstrecke wuselt es am Morgen von Joggern und ambitionierten Bikern, über und unter uns brummt der Verkehr auf den Autobahnspuren, über dem Talkessel hängt der Geruch der Raffinerien fest, die Schlote im Hafen pusten dunklen Rauch aus … so vergeht uns die Lust auf eine Stadtbesichtigung mit Rad in Triest, das holen wir lieber später einmal in Ruhe nach. Wir sind in Italien, der Stilbruch zu Slowenien könnte nicht grösser sein! Gut, dass der Radweg auch nach Osten ins Rosandratal weiterführt, nun wird es von Kurve zu Kurve einsamer. Nach der obligaten und vorzüglichen Kuchenstärkung in Kozina beschliessen wir, heute wieder über die Grenze zu fahren (gar nicht einfach, sich im ital. Strassengewirr zurechtzufinden, Umwege einprogrammiert!) und Piran anzusteuern. Wir glauben, dass es dort beschaulicher als in Italien ist – leider nein, wie sich bald herausstellt. Trotz Vorsaison ist Highlife an der Slowenischen Riviera, Ohropax sind wieder unverzichtbar! Dank eines kühleren und trüblichen Tages „gehört“ uns die Gegend jenseits der Ausgehmeile aber weitgehend allein, ein langer Fussmarsch über die dünnbesiedelten Hügel führt uns durch Olivenhaine und Salzlagunen nach Isola. Am nächsten Morgen sind alle vier Beine etwas übersäuert! Dagegen hilft bekanntlich neuerliche Bewegung – wir radeln steil bergan ins slowenisch-istrische Hinterland, wo wir als sportive Exoten im samstäglichen Müssiggang auffallen. Von den Hügeldörfchen wie zB Pomjan können wir das rege Treiben im und am Meer rund um Koper beobachten, aber hier heroben steht die Zeit noch still, denn die 10 km Luftlinie sind ein perfekter Puffer. Zurück in Dragonia heisst es 1. Aufwiedersehen Slowenien, 2. Einreihen in den Grenzverkehr, 3. Willkommen in Kroatien! Rainer hat ja schon einschlägige Kroatienerfahrung, für Silja ist es Neuland – überrascht sind wir beide, wie „europäisch“ es in Istrien ist: alles ist sauber, alles ist gut organisiert (bis auf die Wanderwege-Beschilderung!), es ist keine Umstellung nötig. Im Zentrum von Istrien, rund um Pazin, sind wir aber weit und breit die einzigen ausländischen Gäste, es scheitert also auch an einer Zeltplatzübernachtung hier. Notgedrungen müssen wir weiter an die Ostküste, obwohl gerade die Landesmitte mit den Städtchen auf uneinnehmbaren Hügeln Lust auf Radausflüge machen würde …

  • Fahrt von Osp nach S. Antonio in Bosco/I: auf der alten Eisenbahntrasse (Triest-Hrpelje) mit dem Rad nach Triest; am Rückweg  durch das Val Rosandra nach Kozina. fahrt nach Lucija über San Rocco/I.
  • Wanderung von Lucija nach Isola im Niesel; retour über die Salzfelder von Strunjan nach Piran/Portoros
  • Radtour ins slowenische Istrien von Dragonia nach Pomjan/Babici, retour am Fluss Dragonia entlang der kroatischen Grenze. Weiterfahrt nach Istrien/Kroatien: über Kastel/Buje nach Motovun; Rundgang in Pazin; Ankunft in Labin/Rabac.
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