die beiden Reisenden in Aktion
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ach einer erholsamen Nacht auf dem Gelände einer alten Mühle radelten wir plus minus eben entlang der Unstrut – wieder ein Tag voller abwechslungsreicher Begebenheiten.

Alte Burgen (weitgehend vom DDR-Verfall gerettet) wie in Wendelstein und Burgscheidungen machen dem Burgenlandkreis alle Ehre…andere sind für uns nur aus der Ferne sichtbar, wie die grosse Neuenburg hoch über Freyburg, schon mitten im Weinbaugebiet.

Auch eine „alte Bekannte“ ist die Strasse der Romanik, die diesmal unsere Pfade in Memleben kreuzt. Ein Klosterfragment ist der letzte Überrest einer Kaiserpfalz…Kaiserpfalzen sind lustigerweise immer in heutzutage völlig unbedeutenden und winzigen Örtchen errichtet worden – Verschiebung der Prioritäten?! Aber besonders schön ist es am Unterlauf der Unstrut schon: hier in Memleben beginnt wieder die Buntsandsteinzone, in die sich der Fluss eingegraben hat…und die das Baumaterial für Brücken, Schlösser, Kirchen und Ställe liefert.

Kurz vor Wetzendorf/Karsdorf (wo mitten in der Idylle der beginnenden Weinbauzone ein riesiges Zementwerk steht), entsteht noch ein Kuriosum der Neuzeit: über dem Talgrund spannt sich eine zwar elegante, aber auch weltfremde, 3km lange Brücke über die Häuser hinweg – es ist die noch nicht in Betrieb genommene ICE-Strecke von München nach Berlin (seit 1991 in Arbeit!)…als Radler fallen einem solche „aus der Zeit gefallene“ Besonderheiten besonders auf – weil man ja selber aus eigener Kraft pedalt, während alle motorisiert an einem vorbeirauschen.

Hinter Wetzendorf wechselt die Szenerie nochmals akut: Trockenmäuerchen klettern die Steilhänge hinauf, die Reben spriessen schon zu der Jahreszeit! Dazwischen kleine Winzerhäuschen, die auch die DDR überlebt haben…es wirkt wie südlich von Bozen, ist auch entsprechend warm! Generell eine sehr trockene Ecke-mit über 1600 Sonnenstunden im Jahr sehr aussergewöhnlich für den Breitengrad. Hier in Unstrut/Saale ist das nördlichste Weinbaugebiet der Deutschen, und zugleich auch eines der kleinsten. So klein, dass der Wein zumeist nur an Touristen verkauft wird, großen Exporthandel gibt es wegen der begrenzten Menge nicht.

Wir folgten der Unstrut bis zu ihrem Mündungspunkt in die Saale bei Naumburg. Direkt an dieser Wegkreuzung ist die einzige Möglichkeit zu queren die Fähre. Wer mal einen schrägen Fährmann kennenlernen möchte, der kann den kleinen Obulus gerne aufbringen. Wir fahren das nächste Mal über die Brücke, es ist zwar ein Umweg, aber…

Magisch war für uns auch die Stadt Naumburg. Sehr charmant, mit vielen erhaltenen alten Gebäuden, einem imposanten, viertürmigen Dom und einer lebendigen Altstadt – einmal wie im Süden kurzärmlig abends flanieren, nicht selber den Gemüseeintopf über dem Benzinkocher rühren…die Köchin und den fleissigen Abwäscher freut es sehr. Die bekannteste Orgel der Stadt allerdings steht in der Kirche St. Wenzel, dem höchsten Gebäude der Stadt….natürlich sind abends alle Kirchen geschlossen und so können wir nur den Kulturführer zitieren. Die Hildebrandt-Orgel wurde von Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann persönlich abgenommen – zu gern hätten wir sie gehört (aber diese Ecke an Saale und Unstrut hat noch viel Verlockendes für uns zu bieten, also werden wir eines Tages auch noch in den Hörgenuss kommen).

  • Bottendorf → Memleben → Nebra → Freyburg → Naumburg
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